Fragmente

24. Januar bis 24. Februar 2019
Bernd Brach, Wiesbaden | 
Malerei, 2019

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 24. Januar 2019, 19.00 Uhr
Einführung: Ulrich Meyer-Husmann, Mainz

Der Künstler Bernd Brach gehört zu den Gründungsmitgliedern des Kunstverein Bellevue-Saal. Bereits bei der ersten Ausstellung im Jahre 1986 war er dabei, als der Verein noch den etwas umständlichen, trotzdem treffenden Titel trug: „Verein zur Förderung künstlerischer Projekte mit gesellschaftlicher Relevanz e.V.“ Ein eingetragener Verein ist er geblieben, den Namen hat der Verein längst geändert in „Kunstverein Bellevue-Saal“, damit den Namen des Ausstellungsraums annehmend, in dem er seit 1994 kontinuierlich Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert. Und mittendrin immer Bernd Brach. Ob als ausstellender Künstler, Kurator und Betreuer anderer Künstler oder als Vorstandsmitglied, immer hat er dem Verein die Treue gehalten.

Und als ob dies nicht genüge, ist Bernd Brach auch seit Jahren eine feste Größe im Ausstellungsreigen Wiesbadens und der Region. Seit 2009 kuratiert er die „Farbwechsel“-Ausstellung in der DKD (Deutsche Klinik für Diagnostik), seit 2000 einige Male den Wiesbadener Kunstsommer. Und ist wie nebenbei noch zweiter Vorsitzender der Wiesbadener Kunstarche, für die er aktuell die Ausstellung MUTTER kuratiert, die am 3. Februar 2019 eröffnet wird.

Wachs ist schon früh sein Material geworden. Seit gut 20 Jahren ist Wachs der Werkstoff, mit dem Bernd Brach arbeitet. Anfänglich kombinierte er seine Wachsarbeiten noch mit Acrylmalerei, doch trat diese immer mehr in den Hintergrund zugunsten seiner Wachsarbeiten. Bernd Brach setzt Wachs nicht zur Erzielen von Effekten ein; die stofflichen Eigenschaften bestimmen immer die Motive ebenso wie die Formen des Ausdrucks. Wachsgebundene Farbpigmente überziehen den Bildkörper, machen ihn transparent und verletzlich zugleich, die milchige und doch luzide Farbigkeit ist Ergebnis einer immer mehr verfeinerten Kenntnis der Materialeigenschaften.
Die haptische Eigenschaft des Materials Wachs wird verstärkt durch das Trägermaterial für die Bilder, ein bis zu vier Zentimeter dicker Wabenkarton, der Einschnitte und Löcher erlaubt und den Wachsauftrag mit seinen etlichen Schichten optimal trägt.
Das Auftragen, Abdecken und wieder Freilegen von Farbschichten und Motiven entspricht den Zeitschichten, in denen die antike Wachsmalerei – die Enkaustik – sowie die Freskomalerei zum Inhaltsträger seiner Bilder werden. „Kreative Phantasie arbeitet in dem Zusammenwirken von Erinnerung, Assoziation und Logik, ist mithin eine Absage an Intuition und Gefühl. Es ist alles schon da, wir müssen es nur freilegen.“ (Bernd Brach)

Nach stark farbigen Phasen hat sich in letzter Zeit die stärker auf Erdtöne reduzierte Farbpalette in Bernd Brachs Malerei und Zeichnung durchgesetzt. Das Bruchstückhafte als Bildidee formuliert sich in Gesteins- und Felsformationen, die – oft schwebend – den Bildraum füllen. Dies hat ihn zur dreidimensionalen Form geführt.

Im Kunstverein Bellevue-Saal zeigt Bernd Brach die komplette Serie seiner in der letzten Zeit entstandenen FRAGMENTE in drei Werkgruppen.

Summe der Teile

Malerei mit wachsgebundenem Pigment auf Wabenkarton. Der einstmals vollständige Wabenkarton dabei in Bruckstücke zerlegt. Die entstandenen Fragmente anschließend an der Stirnwand des Saals so arrangiert, dass der einstmalige Gesamtzusammenhang wieder sichtbar wird.

StierBlut

Über die gesamte, 20 Meter lange Hauptwand des Saals angeordnete Fragmente.

Blutspur

An der östlichen Ausgangswand des Saales angeordnete Fragmenten.

Über die Jahre ist Bernd Brach ein Zitat von James Salter zum Motto geworden: "Man verändert die Vergangenheit, um die Zukunft zu gestalten. Aber in dem Muster, das sich schließlich ergibt und sich dann jeder weiteren Veränderung widersetzt, liegt eine echte Bedeutung. Die aus Myriaden von Einzelheiten bestehende Vergangenheit geht in uns ein und verschwindet. Aber in ihrem Inneren liegen irgendwo hart wie Diamanten Fragmente, die auch die Zeit nicht zersetzen kann. Hat man den Mut, die Vergangenheit durchzusieben und die Fragmente zu sammeln, entdeckt man den wahren Zusammenhang." (James Salter: Ein Spiel und ein Zeitvertreib)

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