LAZARUS DINNER


Partizipative Installation

431art – Haike Rausch und Torsten Grosch, 2020

Die von Haike Rausch und Torsten Grosch während ihres Arbeitsstipendiums geschaffene raumbezogene Installation greift die ursprüngliche Funktion des Bellevue Saal als Speisesaal unter den Vorzeichen der Almende auf. Unter „Almende“ versteht man seit dem Mittelalter Land, das von Bauern als Gemeinschaftseigentum genutzt werden kann. Ein Beispiel zeitgenössischer Almende ist die Bepflanzung von ca. 300 Beeten mit Obst, Gemüse und Blumen auf dem früheren Flughafen Tempelhof in Berlin. Der Begriff „Almende“ wird inzwischen auch auf andere Bereiche, wie z.B. dem freien Zugang zu Wissen übertragen und bezieht sich dabei u.a. auf die Verwendung von freier Computersoftware.

Im Spannungsfeld von Selbstversorgung und Teilhabe beziehen Grosch und Rausch den Begriff Almende in „Lazarus Dinner“ zunächst auf die Nutzbarmachung von privaten Lebensmittelüberschüssen aus eigener Erzeugung. Diese werden während der Ausstellung an einer gedeckten Tafel gemeinsam mit Gästen zelebriert.
Im Vorfeld dazu sind Wiesbaderner*innen aufgerufen, selbst hergestellte Marmelade für „Lazarus Dinner“ zu spenden. Abgegeben werden kann – während der Öffnungszeiten im Oktober – auch Obst aus dem eigenen Garten, das weder gegessen, noch verarbeitet werden kann. Denn jeder, der einen Garten hat kennt das Thema der Überproduktion und sich füllende Kelleregale mit Marmeladen aus den Vorjahren. „Lazarus Dinner“ wird also auch ein Bild zu Wiesbadener Gartenernten und -Erzeugnissen sein.

In der Zeit vom 1. bis 31. Oktober 2020 wird der Bellevue Saal also wieder zum Speisesaal. Allerdings wird der Zugang zur gedeckten Tafel durch seitliche Absperrungen zunächst verwehrt. Damit werden auch Fragen nach sozial bedingtem Zugang oder Ausschluß gestellt. Zu sehen sind außerdem eine Videoprojektion und Foto-Objekte.Auf einer zweiten Ebene bezieht sich der von 431art eingesetzte Begriff der Almende auf einen gemeinsam geteilten Raum an einer gedeckten Tafel – also auf ein bedingungsloses Teilen gemeinsam verbrachter Zeit verbunden mit Gastfreundschaft im ursprünglichen Sinn. Gerade im Krisenjahr 2020 sind persönliche Kontakte zu einem raren Gut geworden. Das Empfangen und Kennlernen von Fremden hingegen scheint nahezu ausgeschlossen. Insofern versteht sich die Installation auch als Beitrag und Intervention zum aktuellen Krisengeschehen.

 

An vier Terminen laden Grosch und Rausch jeweils 8 Gäste an die Tafel zu „Lazarus Dinner“ ein –
selbstverständlich unter Berücksichtigung aktuell geltender Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf Covid 19.

Termine: Sonntag 11.10., Sonntag 18.10., Sonntag 25.10., Samstag 31.Oktober jeweils um 15:00 Uhr.
Die Anmeldung zu „Lazarus Dinner“ erfolgt über contact@431art.org.
P
ro Person ist nur eine Anmeldung möglich.

Die Ausstellung wird eröffnet am Donnerstag, den 1. Oktober 2020 um 19 Uhr
mit einer Einführung von Christian Kaufmann (Heussenstamm Galerie Frankfurt).
Geöffnet ist die Ausstellung Di - Fr von 16:00 - 19:00 Uhr sowie Sa und So von 14:00 - 18:00 Uhr.
 Wilhelmstraße 32, 65183 Wiesbaden

Abbildungsnachweis: ©431art

Über 431art

Die diesjährigen Stipendiaten des Bellevue Saal e.V. Haike Rausch und Torsten Grosch arbeiten seit rund 20 Jahren als Künstlerduo 431art an interdisziplinären partizipativen Projekten. Kennzeichnend für ihre konzeptuelle Arbeitsweise ist ein mediales crossover. Ihre Langzeitprojekte, Installationen, Performances und Audiowalks finden internationale Beachtung, u.a. ISEA Istanbul, RUHR 2010, DRHA London, Museum für moderne Kunst Zagreb sowie »Ecovention Europe – Art to Transform Ecologies 1957 – 2017, NL«, ICCC20 International Conference on Computational Creativity 2020.

431art realisierte zahlreiche interdisziplinäre, partizipative Projekte und Ausstellungen im In- und Ausland, hat Werke in öffentlichen Sammlungen und erhielt für ihre Arbeit mehrfach Stipendien und Auszeichnungen. So wurde ihr Langzeitprojekt botanoadopt® und die Pflanzenklappe® ausgezeichnet vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung und in Einzelausstellungen gewürdigt 2020 im Kunstmuseum Mülheim a.d. Ruhr und 2019 im Kunstverein Ahlen. Torsten Grosch und Haike Rausch sind seit 2009 Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes.

Andere über 431art

„Es ist typisch für die Arbeiten von Grosch und Rausch, wie Ernst, Witz und Ironie interferieren, um emotionales Nachdenken zu evozieren.“
Christoph Wilhelm Aigner

„Die von dem Künstlerduo geschaffenen Situationen und Bilder bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Alltag und wissenschaftlicher Recherche. Sie erkunden den Raum, für den sie entworfen werden, ebenso in einer historischen Dimension, wie sie zukunftsweisende, d.h. gesellschaftsutopische Lösungen anbieten. Verborgene und bislang unsichtbare Bilder gelangen so an die Oberfläche.“
Christian Kaufmann


ANNEX_GRAFISCHE ARBEITEN, RÄUME & KONSTRUKTIONEN

STEFAN SEELGE & PAUL SCHUSEIL zeigen im Bellevue-Saal vom 5. März bis 5. April ihre gemeinsame Ausstellung ANNEX. Sie zeigen grafische Arbeiten, Räume und Konstruktionen.

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG: Donnerstag 5. März 2020, 19 Uhr
EINFÜHRUNGSREDE: Dr. Gabriele Rasch
FINISSAGE MIT KÜNSTLERGESPRÄCH: Sonntag 5. April 2020, 16 Uhr (ohne Publikum)

ANNEX ist ein Synonym für Anhang, Zubehör, Ergänzung und neben dem Ausstellungstitel auch ein Charakteristikum der gezeigten Arbeiten. Es handelt sich um grafische Arbeiten, Räume und Konstruktionen, die geprägt sind durch Leerstellen, Umräume, Zwischenräume sowie polybiomorphe Details. Viele der Arbeiten haben eine angedeutete Benutzbarkeit und Figuration, wodurch Betrachter*innen verführt werden Haltung ein-/anzunehmen und sich deutlich dem Unklaren zu stellen. Die Künstler spielen mit Bezügen einer Zeit, die sich der Selbstoptimierung und Funktionalität verschrieben hat und lassen vermeintliche „Fehler“ in den Werken explizit stehen.

Die beiden Künstler lernten sich 2016 in der Klasse für Bildhauerei von Prof. Thomas Grünfeld an der Kunstakademie Düsseldorf kennen, wo sie im selben Atelier arbeiteten, dieselben Werkstätten nutzen, das selbe „dürftige“ Mensaessen aßen und als Meisterschüler abschlossen. 

Mit der Ausstellung ANNEX zeigen beide Künstler im Kunstverein Bellevuesaal sowohl aktuelle Arbeiten aus ihrem Œuvre, als auch erst im Zuge der Ausstellung entstandene Werke.

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Weitere Informationen über die beiden Künstler und ihre Werke gibt es im Internet unter den Social-Media-Accounts der beiden Künstler.



Wiesbadener Erklärung der Vielen

Der Kunstverein Bellevue-Saal gehört zu den Unterzeichnern der „Wiesbadener Erklärung der Vielen“.

„In Wiesbaden leben 291 000 Menschen aus über 160 Nationen und fast 50.000 haben einen Migrationshintergrund. Um die Diversität unserer Gesellschaft abzubilden und Begegnungen zu fördern, bieten wir Raum für Vielfalt und Diversität und wehren uns gegen Spaltung, Ausgrenzung und Abwertungen von Minderheiten, gegen Rassismus, Homo- und Transphobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamophobie und völkisch-nationalistisches Gedankengut.
...
Die Unterzeichnenden wenden sich mit dieser gemeinsamen Haltung an die Öffentlichkeit und orientieren sich in ihrer Arbeit an den erklärten Prinzipien. Sie verpflichten sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden, mit Wissenschaftsinstitutionen und Wissenschaftler*innen, die durch Hetze und Eingriffe in die Freiheit der Kunst, Kultur und Wissenschaft unter Druck geraten."

Wiesbadener Erklärung der Vielen


Kulturkiosk

Wolfgang Gemmer, 1. Vorsitzender des Kunstvereins Bellevue-Saal, im Interview mit Axel Pfeiffer. Das Interview fand anläßlich der Jubiläumsausstellung MICHA LAURY - HUMAN BREATH statt.

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Bewerbungsfristen

für Stipendien

bis zum 31. 5. 2020

für Ausstellungen

bis zum 30. 6. 2020

Bewerbungen senden an:
Kunsthaus
"Bewerbung Bellevue-Saal"
Schulberg 10
65183 Wiesbaden


Der Kunstverein

1:1 – Unser Konzept

Das Ausstellungskonzept des Kunstvereins

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Ausstellungsarchiv

Das Ausstellungsarchiv des Vereins ab dem Jahr 2000

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Kunst statt Speisen

Die abwechslungsreiche Geschichte des Bellevue-Saals
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Der Vorstand

des Kunstverein Bellevue-Saal