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meta - morphique

GABRIELE BASCH - GESA LANGE
Berlin/Hamburg
Cut out / Zeichnung

Eröffnung: Donnerstag, 1.März, 19:00 Uhr
Einführung: Dr. Petra Oelschlägel, Kunstmuseum Villa Zanders

Das Wiederholungs-Prinzip ist in der Ausstellung meta-morphique allgegenwärtig: an anderen Orten, zu anderer Zeit taucht wieder auf, was schon einmal war. Unsere Gegenwart scheint heimgesucht von Bildern verlorener Zukunft. Traumartig drängen einzelne Elemente der Beobachtung immer wieder an die Oberfläche. Doch geht es hier nicht um den romantischen Allzusammenhang. Eher wohl stellt sich mit Hans Blumenberg (1920–1996) die Frage: »Welches war die Welt, die man haben zu können glaubte?« Gabriele Basch und Gesa Lange haben sich beide anfänglich mit der Malerei beschäftigt. Bei Gesa Lange führte die künstlerische Entwicklung zu malerischen Graphitzeichnungen auf grundiertem Nessel. Gabriele Basch entwickelte aus selbst geschnittenen Schablonen, die sie als Werkzeuge für ihre Malerei verwendete, Papierschnitte, welche sie beidseitig farbig lackiert.
Beide Künstlerinnen arbeiten mit vielschichtigen raumbezogenen großen Formaten. Für den Bellevue-Saal haben sie ein gemeinsames Ausstellungskonzept entwickelt, das auf einer Auseinandersetzung mit der Formensprache der 50iger Jahre basiert. Gabriele Basch und Gesa Lange verbinden diese Zeit mit der Vorstellung einer Gesellschaft, die noch einer düsteren Vergangenheit verhaftet ist und zugleich die Elemente des Aufbruchs und der Veränderung enthält. Einer Geschichte, die zumindest für jene, denen es gelang, ihre Wünsche in die Tat umzusetzen, ein „happy End“ bereithielt - eine Zeit, in der Alternativen möglich schienen.
Das Prinzip der Repetition und der farblichen Reduktion bestimmen formal die Ausstellung meta-morphique. Ein kalkulierter Umgang mit dem Reichtum der Möglichkeiten, die sich aus der Beschränkung auf wenige Elemente der Gestaltung ergeben.
Gabriele Basch zeigt im Bellevue-Saal raumhohe Cutouts, die einseitig in zarten Valeurs lackiert sind. Die Rückseiten der Arbeiten sind schwarz und geben den Blick frei auf das Material Baufolie. Die geschnittenen Flächen hängen von der Decke frei im Raum und sind somit beidseitig erfahrbar. Die schwarze Seite der Cutouts steht im ständigen Wechselspiel mit der farbigen Vorderseite, da manche der geschnittenen Elemente nach vorne gekippt sind und andere zur Rückseite hin. Pastellige Farben werden kontrastiert mit Schwarz und Weiß. Die Farbe flackert nur an manchen Stellen auf. Durch die geschnittenen Fehlstellen ergeben sich zahlreiche Durchblicke und Verzahnungen der verschiedenen Lagen.
Ein Ausgangspunkt für Gabriele Basch war der Weißschnitt, eine besondere Form des kleinen Andachtsbildes, welches im 17. Jahrhundert entwickelt wurde. Bei Gabriele Basch wird das Andachtsbild in eine Suche nach einem urbanen zeitgenössischen Heimatbild umgewandelt. Bei den Motiven der gezeigten Arbeiten hat Gabriele Basch Architekturelemente, Zitate aus der Kunstgeschichte und folkloristisch anmutende Elemente auf einer Ebene zusammengeschnitten. Sie liebt das asymmetrische Gerangel widersprüchlicher Zeichen. Ihre Werke sind sublime Berichterstattungen von diesem Kriegsschauplatz der Signale. Oberflächen, Schatten und Strukturen, feine Valeurs und harsche Kontraste werden auf eine spannende Art und Weise zu Bildobjekten verknüpft, die raffiniert und überraschend sind.
Gesa Lange arbeitet malerisch mit Graphit und linear mit Garn auf grundierter Leinwand. Auch bei ihr sind die zum Einsatz gebrachten Farben zurückhaltend und vagen Erinnerungen gleich verblasst. Ihre Formate sind ebenfalls raumbezogen und für die Ausstellung meta-morphique entstanden. Gesa Lange untersucht Räume, die im Grenzbereich nahender Stimmungswechsel entstehen können und sich oftmals einer inhaltlichen Deutung entziehen. In ihren Graphitmalereien geht es um Flächen, Überlagerungen und Schichtungen. Diese begründen ein Universum aus endlos verdichteten Räumen. Ist ein Zustand auf dem Zeichengrund beschrieben, wird er durch eine erneute Überarbeitung und Entfernung von konkreten Elementen zerstört. Die verbleibenden Spuren bieten die Grundlage für die folgende Zustandsbeschreibung.
In Gesa Langes linearen Stickzeichnungen dient das Quadrat als Grundlage, es teilt die Leinwand in Räume ein. Das auf Ordnungsprinzipien und Strukturen aufgebaute Muster wird durch den Materialwiderstand der Leinwand beim Durchstechen mit Nadel und Faden und Fehlkalkulationen im Stickprozess immer wieder gebrochen. Es bilden sich kontinuierlich Neuordnungen, die sich ihrer Flächenbegrenztheit erledigen. Durch das partielle oder völlige Auslöschen genauso wie durch das Verbinden zu Mischformen werden vorgefertigte Prinzipien und Strukturen untersucht und hinterfragt. Dabei wächst die gestickte Zeichnung durch ihre Dimension als Materialebene in den Raum hinein und umschließt die Leinwand beidseitig.
Gesa Lange erschafft detailreiche Bildwelten, in denen Erinnerungen zu neu gefundene Wirklichkeiten werden. Hierbei interessiert sie nicht nur die Struktur, sondern der gesamte Charakter, das Wesen und die Spuren, die in den entstandenen Raumkonstruktionen eingegraben und zu entdecken sind. Es entsteht eine Konzentration aus Zerfall, Konservierung und Transformation.

PHILOSOPHISCHES CAFE – LUST AM DENKEN

Leitung: Dr. Christian Rabanus, Institut für Phänopraxie,
Bellevue-Saal, Wilhelmstraße 32, 65183 Wiesbaden

Samstag, 7. April 2018

Jeweils von 16.00 bis 18.00 Uhr.
Um einen Unkostenbeitrag von 5,00 € wird gebeten.

 

 

 

 





Bewerbungsfristen

für Stipendien

bis zum 31. 5. 2018

für Ausstellungen

bis zum 30. 6. 2018

Bewerbungen senden an:
Kunsthaus
"Bewerbung Bellevue-Saal"
Schulberg 10
65183 Wiesbaden


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